Seefeld setzt auf Kliniksanierung

Die umstrittenen Pläne für einen Neubau sind vom Tisch, weil das Chirurgische Krankenhaus am jetzigen Standort „mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit“ saniert und erweitert werden kann

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 20.9.2017:

… die Aussicht, dass auf einen Krankenhausneubau in freier Natur verzichtet werden kann, dass die Seefelder ihre Klinik behalten und dass der Gemeinderat einstimmig für die Rücknahme des Antrags an den RPV votierte, rief Emotionen hervor. (…) In der Sitzung am Dienstag sprach Robert Schindlbeck (CSU-Fraktion) noch einmal von einer „Diffamierungskampagne gegen Bürgermeister und Gemeinderäte“ seitens der BI. „Das ärgert mich.“ Die BI wiederum weist das in einer Stellungnahme vom Mittwoch zurück. Das sei ein Vorwurf „unter die Gürtellinie“, heißt es.

Zur Klarstellung: „unter der Gürtellinie“ war ein Zitat von Herrn Schindlbeck, nicht von uns. Worin diese angebliche „Diffamierungskampagne unter der Gürtellinie“ bestehen soll, ist uns schleierhaft. Für uns hörte sich der Redebeitrag eher wie der Versuch an, durch verzweifelte Attacken auf die BI von eigenem Versagen abzulenken. Immerhin war dies die einzige unsachliche Wortmeldung während der restliche Gemeinderat um eine sachliche Diskussion bemüht war.

Reicht der Platz für die Erweiterung? Spielt das Ministerium mit, sollte die Generalsanierung und Erweiterung teurer werden als ein Neubau? Bürgermeister Wolfram Gum war guten Mutes: „Wir müssen kein neues Grundstück kaufen, und die Erschließung ist auch schon da.“

Da muss man sich glatt die Augen reiben aufgrund des plötzlichen Sinneswandels. Noch im August wurde das Bürgerbegehren für unzulässig erklärt, weil der Gemeinderat eine Irreführung in der Behauptung im Bürgerbegehren erkannt hatte, dass die geplante Bettenerweiterung im Vergleich zum Neubau schnell und kostensparend umsetzbar wäre.

Landrat Karl Roth sagte am Mittwoch, er sei froh über die Entwicklung der Seefelder. „Jetzt ist der Druck weg.“

Vielleicht hat Herr Roth ja in seiner Eigenschaft als Eigentümer des Starnberger Klinikverbunds etwas nachgeholfen, damit das Schreiben von Klinikchef Weiler rechtzeitig auf den Tisch des Gemeinderats kam?

Neben dem im Titel verlinkten Hauptartikel bringt die SZ auch einen Kommentar „Die Natur als Siegerin“ von Frau Setzwein:

Die Causa Seefeld ist auch ein Beispiel für den Trend, dass sich Bürger vor allem dann engagieren, wenn sie eigene Interessen durchsetzen wollen. Gelingt das, ist die Sache für sie erledigt. Doch um nachhaltig Politik machen zu können, braucht es Menschen, die sich langfristig einsetzen. Gemeinderäte zum Beispiel, die ehrenamtlich tätig sind – und sich dafür immer öfter beschimpfen lassen müssen.

Die Bürgerinitiative wird sich auch in Zukunft einbringen und engagiert sich für eine transparentere Diskussionskultur, die die Bürger aktiv einbezieht.

Mitglieder der Bürgerinitiative sind auch über das aktuelle Thema hinaus ehrenamtlich aktiv. So gehen zum Beispiel viele zeitintensive Projekte wie die Organisation von Eichenallee- und Umweltfest, die Ausrichtung von Plant-for-the-Planet Akademien, die jährlichen Schulführungen zur Eichenallee, die Betreuung der Kiebitze im Aubachtal und vieles mehr auf das ehrenamtliche Engagement von Team-Mitgliedern der BI zurück.

So gibt es in Seefeld keine richtigen Sieger, obwohl sich alle jetzt so fühlen. Nein, stimmt nicht. Einen gibt es doch: die Natur.

In der Tat geht es uns und über 1000 Seefeldern um das eigene Interesse: Das eigene Interesse an einer intakten Natur.