Aushub bereitet Naturschützern Kopfzerbrechen

Hanna von Prittwitz, Starnberger Merkur, 26.2.2019:

Wie er [AWA-Chef Doblinger] berichtete, wird die AWA beginnend an der Schlosskreuzung bis hinauf nach Hechendorf entlang der Lindenallee eine Wasserleitung verlegen. Den Aushub dafür will sie auf zwei Flächen lagern: Direkt an der Schlosskreuzung und auf einem Flächendreieck beim so genannten Pumpenhäusl in Hechendorf. Beide Flächen sind jeweils etwa 1300 Quadratmeter groß.

Die zweite Fläche an der Schlosskreuzung wurde im Beschluss gar nicht erwähnt. „Entlang der Lindenallee“ kommt uns allerdings spanisch vor, das ist ja eine ganz andere Ecke. Will man dafür die Eichenallee oder die Bahnhofstraße auch aufreißen?

Die AWA habe sich schon 2010 den Schutz der Artenvielfalt auf die Fahne geschrieben. „Wir versuchen, die Natur so wenig wie möglich zu tangieren.“ Gerne werde er sich mit dem Bund Naturschutz vor Ort abstimmen. „Die AWA ist auch Mitglied im Bund Naturschutz. Wir nehmen unsere Verantwortung ernst.“ Der Urzustand der Fläche werde wieder hergestellt, versichert Doblinger.

Der BUND Naturschutz freut sich auf den Kontakt. Allerdings ist es praktisch unmöglich, den Urzustand von Biotop-Flächen wiederherzustellen. Die Pflanzen, die durch direkte Aushub-Ablagerung und nachfolgende Bodenverdichtung erst einmal weg sind, kommen nicht auf magische Weise einfach wieder zurück.

Das Aushubmaterial wird beprobt und, wenn es nichts zu beanstanden gibt, wieder verbaut. „Die Auflagen sind hoch und werden eingehalten“, versichert Doblinger. Was passiert, wenn die Gemeinde ihre Zustimmung zurücknimmt? „Dann haben wir ein Problem.“

Und was ist, wenn es bei der Beprobung etwas zu beanstanden gibt? Bleibt dann potentiell kontaminierter Aushub auf einer Biotopfläche? – Einer Biotopfläche, die so feucht ist, dass sich selbst in der aktuellen Trockenphase Pfützen in der Wiese bilden. Kontaminierende Stoffe würden dadurch in einem Rutsch direkt in Aubach und Pilsensee gespült.

Auch die Süddeutsche Zeitung berichtete.

Aushub-Deponie am Ortseingang Hechendorf?

Routiniert führte Bürgermeister Gum in rekordverdächtiger Geschwindigkeit den letzten Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung am 19.2.2019 der Abstimmung zu. Für die Deponierung des Aushubs einer neuen Wasserleitung von der Ampelkreuzung nach Hechendorf schlug er die Wiese oberhalb des AWA-Pumpenhäuschens zwischen Seefelder und Alter Straße vor. Begründung: wir haben keinen anderen Platz.


Geplante Aushub-Deponie gegenüber vom Blumenfeld am Hechendorfer Ortseingang (Quelle: BN Seefeld, FisNatur)

Kein Wort zur ökologischen Qualität dieser Fläche und des unmittelbaren Umfeldes. Mal abgesehen davon, dass so eine Aushub-Deponie am Ortseingang nicht der Verschönerung des Ortsbildes dient, wäre das Minimum an naturschützender Vorsicht gewesen, die Biotop-Kartierung zu konsultieren. Das hat nun die BN-Ortsgruppe getan. In einer Stellungnahme wird auf verschiedenste schützenswerte Pflanzen verwiesen, die auf der Fläche kartiert sind. Mädesüß und Bach-Nelkenwurz wachsen und blühen hier – wenn man sie nicht zuschüttet.

Die Deponierung des Aushubs wird dieses Stück Natur zerstören. Was einmal zerstört ist, ist nicht wieder rückgängig zu machen und lädt zu weiteren Deponierungen ein (Stichwort Tagwasserkanalsanierung in der Seefelder Ortsmitte).

Uns stellen sich diverse Fragen:

  • Welche Art von Aushub soll gelagert werden? Kann eine Trennung von Asphalt zuverlässig gewährleistet werden?
  • Wurde das Wasserwirtschaftsamt Weilheim konsultiert? Der Günteringer Bach verläuft direkt an der Fläche.
  • Wurden die Gemeinderäte über die vorhandene Biotop-Kartierung, die die Fläche überlappt, in der Beschlussvorlage unterrichtet? (Der Tagesordnungspunkt ist leider noch nicht im öffentlich zugänglichen Ratsinformationssystem eingetragen, da er zunächst nicht-öffentlich entschieden werden sollte und erst auf Antrag (von wem?) in die öffentliche Sitzung befördert wurde.)

Als Zuhörer konnte man nur den Eindruck gewinnen, dass die Entscheidung hektisch und unüberlegt ohne jegliche Diskussion zustande kam. Wir fordern daher den Gemeinderat auf, den Beschluss zurück zu nehmen und eine Alternative zu suchen.

Fast 30% der Seefelder Wahlbürger haben gerade für das Volksbegehren gestimmt – diesem Votum läuft die geplante Aushubdeponierung frontal zu wider.

Örtliches Aktionsbündnis für Volksbegehren Artenvielfalt

Der Frühling lässt nicht mehr lange auf sich warten. Bald schon summt und brummt es wieder. Nicht ganz, denn die Fluginsekten sind nach Beobachtungen von führenden Forschungsinstituten innerhalb von 30 Jahren um 75 % zurückgegangen. Diese dramatischen Zahlen bewegen viele Bürger. Auch die Bürgerinitiative Eichenallee ist darüber besorgt und wirbt aktiv für das Volksbegehren.

Der Kiebitz, der bei uns noch eine Heimat hat, lebt fast ausschließlich von Insekten, sowie von deren Larven und Regenwürmern. Wenn die Insekten verschwinden, wird auch er verschwinden und die Rufe der balzenden Kiebitze werden nicht mehr durch das Aubachtal hallen.

Umweltschützer versuchen seit letztem Jahr den Trend im kleinen Maßstab entgegenzuwirken und haben am Aubach Blühstreifen mit heimischem Saatgut angelegt. Dort konnte man letztes Jahr Hummeln und auch einige seltene Schmetterlinge wie den Schwalbenschwanz beobachten. Aber 50 Quadratmeter reichen nicht um die Artenvielfalt zu fördern. Der Schutz der Artenvielfalt auf Äckern ist auch Gewässerschutz und die Gemeinde Seefeld am Aubachtal und Pilsensee im Fünfseenland hat dabei eine besonders wichtige Rolle. Daher sollten alle gemeinschaftlich an einem Strang ziehen und versuchen, das zu retten, was noch zu retten ist, um mit gezielten Maßnahmen den Artenschwund aufzuhalten. Auch die positive Resonanz der Ortsgruppen der Grünen und der SPD auf das Aktionsbündnis ermutigt die Initiatoren, dass in Seefeld diese Schritte gemeinsam möglich sind.

„Es ist schön, dass die Gemeinde Seefeld Sonderöffnungszeiten einrichtet, um Bürgern das Unterschreiben zu erleichtern“, lobt Ildiko Gaal-Baier von der BI sowie der Ortsgruppe des BUND Naturschutz. „Nun kommt es darauf an, dass möglichst viele Seefelder zur Tat schreiten und mit Ausweis im Rathaus erscheinen und unterschreiben. Denn es kommt auf jede Stimme an – im Interesse unserer Zukunft und der unserer Kinder!“

Die Öffnungszeiten bei der Gemeinde Seefeld während der Eintragungsfrist sind:

  • Montag: 8.00 – 12.00 und 13.00 – 16.00
  • Dienstag: 8.00 – 12.00 und 13.00 – 18.00 am 12.02.2019 bis 20.00
  • Mittwoch, Donnerstag: 8.00 – 12.00 und 13.00 – 16.00
  • Freitag: 8.00 – 12.00
  • Samstag 09.02.19: 10.00 – 12.00

Das Volksbegehren zum Anlass nehmend könnten die Gemeinde Seefeld und Grundstückseigentümer auf freiwilliger Basis Flächen, die nicht intensiv genutzt werden, für Insekten attraktiver gestalten. Die BI und die Seefelder Ortsgruppe des BUND Naturschutz würden das sehr befürworten und sich über eine Zusammenarbeit freuen.

Hier die wichtigsten Forderungen des Volksbegehrens:

– Eine bayernweite Vernetzung von Lebensräumen für Tiere schaffen
– Strukturreiche Ackersäume, Bäume, kleine Gewässer in der Landwirtschaft erhalten
– Blühende Randstreifen an Bächen und Gräben
– Die ökologische Landwirtschaft massiv ausbauen
– 10% aller Wiesen in Blühwiesen umwandeln
– alle staatlichen Flächen pestizidfrei bewirtschaften
– Naturschutz als Teil der Ausbildung von Land- und Forstwirten

Rettet die Bienen Aktionsbündnis SeefeldAuf dem Foto:
Oben, von links: Albert Augustin, Josef Asboth, Helmut Ronstedt, Bettina Freistedt-Bayr, Dr. Linda Rüger, Peter Friedrich, Sieglinde Huther, Corinna Montrone, Berit Grubert, Almuth Boedecker, Ildiko Gaal-Baier, Horst Kalski
Unten, von links: Marco Montrone, Constanze Gentz, Ortwin Gentz