Gewerbegebiet Seefeld: Rote Linien und offene Fragen

Manchmal ist Politik wie ein surrealistisches Theaterstück: Man zeigt ein Bild mit deutlich markierten roten Linien und der Frage „Der Blick vom Griesberg 2028?“ – und schwupps, wird daraus eine Bauskizze! Fast so, als würde man eine Satire für einen Sachbericht halten. Aber gut, Kunst liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. 

Visuelle Vergehen: Eine Bestandsaufnahme

Wir müssen zugeben, dass wir in dieser visuellen Disziplin noch Anfänger sind. Die wahren Meister sitzen bekanntlich bei anderen Parteien und Wählergruppierungen. Aber was ist schon eine fiktive Visualisierung mit Fragezeichen gegen … nun ja, gegen das, was auf manchen Wahlwerbungen zu sehen ist?

Wahlplakat CSU 2020

Der Flyer-Skandal: Wenn Größenverhältnisse zur Ansichtssache werden

Besonders kreativ: Der aktuelle Flyer der Freien Wählergemeinsschaft zeigt das Gewerbegebiet in so niedlichen Dimensionen, dass man fast meinen könnte, es handle sich um ein Schrebergarten-Projekt. Eine charmante Miniaturisierung der Realität!

Aktueller Flyer der Freien Wählergemeinsschaft Seefeld

Deshalb unsere bescheidene Bitte an die Gemeindeverwaltung:

Wie wäre es mit der Veröffentlichung des echten Umgriffs des Gewerbegebiets? Damit alle Bürgerinnen und Bürger sehen können, was da auf sie zukommt. In Originalgröße. Ohne künstlerische Freiheiten. Ohne Verkleinerungsfilter.

Der heilige Gral der Finanzierung: Irgendwo da draußen

Die anderen Parteien behandeln den Businessplan für das Gewerbegebiet wie den Heiligen Gral – man spricht ehrfurchtsvoll darüber, aber gesehen hat ihn noch niemand. Dabei wäre es doch spannend zu erfahren:

  • Wie sieht der Finanzierungsplan konkret aus? (Nicht nur konzeptionell, sondern mit echten Zahlen, die man auch lesen kann)
  • Wann ist mit einem Return on Investment zu rechnen? (In Jahren, nicht in Generationen)
  • Welche Gewerbesteuereinnahmen werden erwartet? (Konkret, und nicht „viele“ oder „gute“)

Wann rechnet sich das Projekt für die Gemeinde? (Damit wir wissen, ob unsere Enkel noch was davon haben, während sie mit der Klimakatastrophe, dem Trinkwassermangel und dem Biodiversitäts-Schwund kämpfen)

Das Moorgebiet-Dilemma: Erst investieren, dann prüfen?

Ein kleines Detail am Rande: Es wurden bereits Millionen investiert – bevor geklärt wurde, ob das Moorgebiet überhaupt bebaut werden darf. Das ist so, als würde man erst das Haus bauen und dann prüfen, ob der Baugrund überhaupt geeignet ist. Mutig! Innovativ! Und möglicherweise nicht ganz im Einklang mit der Bayerischen Gemeindeordnung.

Apropos GO Art. 61, Absatz 3:

„Bei der Führung der Haushaltswirtschaft hat die Gemeinde finanzielle Risiken zu minimieren. Ein erhöhtes Risiko liegt vor, wenn besondere Umstände, vor allem ein grobes Missverhältnis bei der Risikoverteilung zu Lasten der Gemeinde, die Gefahr eines erheblichen Vermögensschadens begründen.“

Keine Sorge, wir sind sicher, dass es einen soliden Finanzierungsplan gibt! Einen Plan, der wasserdicht ist. Der alle Risiken berücksichtigt. Der die Wirtschaftlichkeit der bebauten Fläche nachweist. Einen Plan, der nur noch auf seine Veröffentlichung wartet.

Fazit: Liebe Gemeindeverwaltung, lieber Herr Bürgermeister, wir verstehen ja, dass Transparenz manchmal anstrengend sein kann. Aber vielleicht könnten Sie uns – und vor allem den Bürgerinnen und Bürgern von Seefeld – diese Zahlen und Fakten zugänglich machen? Dann könnten wir alle gemeinsam entscheiden, ob wir lieber in reale Gewerbegebiete oder in fiktive Visualisierungen investieren möchten.

Bis dahin bleiben wir bei unseren roten Linien und lehnen die Erweiterung des Gewerbegebiets im Aubachtal ab. Die sieht man wenigstens.

Albert Augustin