Gewerbegebiet am Jahnweg: Wir fordern den Schutz des Aubachtals

Wie bereits letzte Woche berichtet, plant die Gemeinde Seefeld, das Gewerbegebiet am Jahnweg im Aubachtal deutlich auszuweiten. Dafür hat der Gemeinderat Ende letzten Jahres den Kauf von mehr als 12.800 m² Wiesen und Weiden beschlossen. Zusammen mit bereits in der Ära von Bürgermeister Gum erworbenen Flächen stehen damit künftig mehr als vier Hektar für eine gewerbliche Bebauung zur Verfügung. Diese Entscheidung schafft die planerischen Voraussetzungen für eine noch großflächigere Entwicklung des Gebiets – mit weitreichenden Folgen für Natur, Klima und Gemeinwohl.

Gewerbegebiet Jahnweg Karte

Wir kritisieren dieses Vorgehen scharf. Die geplante Erweiterung stellt einen gravierenden Eingriff in ein ökologisch hochsensibles Landschaftsgebiet dar und widerspricht grundlegenden politischen Zusagen sowie den eigenen Planungsgrundsätzen der Gemeinde.

Bruch von Wahlversprechen

Besonders schwer wiegt für uns, dass Parteien, die sich im Kommunalwahlkampf 2020 ausdrücklich für den Schutz des Aubachtals ausgesprochen hatten, diese Erweiterung nun aktiv unterstützen. Den Bürgerinnen und Bürgern wurde damals zugesichert, dass es kein Gewerbegebiet im Aubachtal geben werde – allen voran Herr Kögel mit der Aussage „Kein Gewerbe im Aubachtal“. Jetzt stimmt eine Mehrheit für weitere Flächenkäufe. Solche leeren Versprechungen schaden nicht nur der Natur, sondern auch dem Vertrauen in die demokratische Entscheidungsfindung.

Widerspruch zum Leitlinienkonzept der Gemeinde

Die geplante Ausweitung des Gewerbegebiets steht in deutlichem Widerspruch zum Leitlinienkonzept der Gemeinde Seefeld. Darin verpflichtet sich die Gemeinde unter anderem zu einem sparsamen Umgang mit Flächen, zum Schutz von Klima, Wasser und Landschaft sowie zur Vermeidung von Bebauung in ökologisch sensiblen Bereichen. Das Aubachtal ist dort ausdrücklich als schützenswerter Natur- und Erholungsraum definiert. Eine großflächige gewerbliche Bebauung konterkariert diese Ziele und untergräbt die Glaubwürdigkeit des Leitlinienkonzepts als verbindliche Grundlage der Ortsentwicklung.

Ökologische und klimatische Folgen

Das Aubachtal ist geprägt von Moor- und Feuchtflächen mit hohem Grundwasserstand. Diese Böden binden große Mengen Kohlenstoff und erfüllen eine zentrale Funktion für den regionalen Klimaschutz. Die geplante Bebauung führt zu dauerhafter Bodenversiegelung, zerstört CO₂-Speicher und greift massiv in den Wasserhaushalt des Tals ein. Unmittelbar angrenzend liegen Landschaftsschutz- und europäische FFH-Gebiete. Durch die Erweiterung des Gewerbegebiets steigt der Druck auf diese geschützten Flächen erheblich – mit negativen Folgen für Artenvielfalt, Naherholung und das charakteristische Landschaftsbild des Aubachtals.

Fragwürdige Wirtschaftlichkeit

Neben den ökologischen Schäden sehen wir auch erhebliche wirtschaftliche Risiken. Die Erschließung der Flächen ist aufgrund des hohen Grundwasserstands technisch anspruchsvoll und kostenintensiv. Insbesondere Regenwasserrückhaltung und Infrastrukturentwicklung sind problematisch. Die Zuwegung über die Mühlbachstraße führt durch ein Wohngebiet und wird sowohl während der Bauphase als auch danach zu einer zusätzlichen Verkehrsbelastung für die Anwohner führen. Gleichzeitig sind bestehende Gewerbeflächen in der Gemeinde noch nicht vollständig genutzt. Zudem stehen mit weniger sensiblen Standorten, etwa am Oberfeld, deutlich geeignetere Alternativen für eine nachhaltige Gewerbeansiedlung zur Verfügung.

Unsere Forderung: Kurswechsel jetzt

Wir fordern einen sofortigen Stopp der Erweiterungspläne am Jahnweg. Die Gemeinde muss sich an ihr Leitlinienkonzept halten, frühere Wahlversprechen ernst nehmen und eine Ortsentwicklung verfolgen, die Natur-, Klima- und Gemeinwohlinteressen konsequent in den Mittelpunkt stellt. Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich aktiv in die Diskussion einzubringen und die Wahlversprechen der Parteien zum Schutz des Aubachtals kritisch zu hinterfragen.

Ortwin Gentz