Bürgermeister stehen zur Klinik

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 11.5.2017:

Das Ziel der Gemeinde ist es, den Standort unserer erstklassigen Klinik in Seefeld zu halten.

Dem können wir uns nur anschließen. Es gibt dafür einen ausgezeichneten Standort in der Seefelder Ortsmitte.

Nur für den Fall, dass der Ausbau dort doch nicht realisiert werden könne und um größere Verzögerungen zu vermeiden, bemühe sich die Gemeinde um einen alternativen Standort.

Entgegen der Beteuerungen der Bürgermeister sehen wir in der Forcierung eines Alternativstandorts eine Vorfestlegung genau auf diesen Standort. Außerdem befürchten wir eine Vergiftung der Debatte. Wenn schon bei kleinsten Problemen am Standort Ortsmitte, die es zweifelsohne geben wird, ständig das Damoklesschwert „Neubau Eichenallee“ über allen schwebt, ist eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich.

Großangriff aufs Aubachtal

Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung, 10. Mai 2017

Zu den Beiträgen „Proteste gegen neue Klinikpläne“ vom 4. Mai und „Seefelder Alleingang“ (5. Mai):

Großangriff aufs Aubachtal: Was ist das Besondere, das Kostbarste, das wir Bürger des 5-Seenlandes so schätzen und weshalb wir unsere Heimat so lieben? Ja, es ist die historisch gewachsene Landschaft, Seen und Wälder, Hügel und Wiesen, in dessen die alten Ortskerne eingebettet sind. Eine der größten kulturellen und politischen Leistungen unserer demokratischen Gesellschaft ist die regionale Raumordnung. Es ist aber auch die größte andauernde Mühsal, den Kampf der ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen um das knappe Gut Raum gerecht und objektiv zum allgemeinen Wohle zu lenken und zu befrieden.

Dieser wichtigen Aufgabe wurde Bürgermeister Gum in der jüngsten Sitzung des Seefelder Bauausschuss nicht gerecht. Im Gegenteil: er führte seine CSU-Fraktion in einen Großangriff aufs Aubachtal. Sachlich völlig unbegründet forderte er, 40 000 Quadratmeter aus dem Landschaftsschutz heraus zu nehmen, für einen Ersatzbau des Seefelder Krankenhauses, obwohl neben diesem das große Grundstück, für den von ihm gewünschten und von den Bürgern abgelehnten Rathausneubau, frei steht. Da lassen sich leicht 30 bis 50 zusätzliche Betten für eine „up-to-date“-Klinik ausbauen. Und obwohl der Klinik-Geschäftsführer Thomas Weiler ganz klar den Ausbau des bestehenden Standortes vorzieht und nicht mal der Landrat Karl Roth in die Pläne eingeweiht war.

Gums Attacke hat ein klares Ziel: ein neues, drittes Gewerbegebiet soll hier erschlossen werden. Bürger wehrt euch, helft diesen Anschlag zu verhindern.

Helmut und Elke Ronstedt, Seefeld
[Anmerkung: Herr Ronstedt ist Mitglied unseres Initiativ-Teams.]

Debatte um Klinikneubau geht weiter

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 9.5.2017:

Doch Bürgermeister Gum mag offensichtlich an diese Lösung nicht so recht glauben. Er kennt das Areal, weiß um den steilen und den feuchten Untergrund. Und die Nachbarn wären wohl alles andere als entzückt über eine jahrelange Baustelle, die laut und dreckig ist.

Interessant, dass Bürgermeister Gum bereits jetzt den eigentlich favorisierten Standort in der Ortsmitte schlecht macht. Herr Gum, so sieht Werbung für einen Standort nicht aus! Übrigens sahen Gemeinde und Bürgermeister bei der damaligen Planung des neuen Rathauses keine solchen Probleme.

Neubau zur Not in einer anderen Gemeinde?

Starnberger Merkur, 7.5.2017:

Im schlechtesten Fall könnte Seefeld die Klinik verlieren – für Bürgermeister Gum ein Horrorszenario.

Ein Horrorszenario vielleicht, aber auch ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Denn der Standort in der Seefelder Ortsmitte bietet locker genügend Platz für 30 zusätzliche Betten. Zur Erinnerung: Neben dem Krankenhaus befindet sich eine große Freifläche, die vor einiger Zeit einmal für ein neues Seefelder Rathaus im Gespräch war.

Ob es tatsächlich einen Neubau für die Klinik geben muss, ist offen – dringender Handlungsbedarf ist aber geboten. Weiler [Geschäftsführer des Klinikverbunds Starnberg, Penzberg, Seefeld]: „Die bauliche Situation ist mehr als desolat.“

Als Besucher des Krankenhaus, der in modernen und hellen Räumen begrüßt wird, kann man die angeblich so desolate bauliche Situation nicht nachvollziehen. Die Klinik selbst schreibt auf ihrer eigenen Website: „Eine umfassende Gesamtsanierung fand im Jahr 2000 statt, der letzte Umbau im Jahre 2013. Seither präsentiert sich die Chirurgische Klinik in einem modernen und freundlichen Erscheinungsbild mitten in der Gemeinde Seefeld.“

Als kritischer Leser kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die bauliche Situation der Klinik bewusst schlecht geredet wird mit dem Ziel, einen Neubau politisch durchzudrücken.

Gum war fassungslos, dass angeblich schon Unterschriftenlisten durch Kinder laufen sollen, wobei es um die Verhinderungen von Baumfällungen an der Allee geht.

Wir würden gern einen Beleg für diese Behauptung Herrn Gums sehen und welche Unterschriftenlisten das sein sollen. Schade, dass hier von Seiten des Merkur nicht genauer recherchiert wurde und solche Gerüchte ohne jegliche Prüfung in die Welt gesetzt wurden.

Die Bürgerinitiative Eichenallee weist die Spekulation zurück, wir würden Kinder für unser Anliegen einspannen. Abgesehen davon, dass dies überhaupt keinen Sinn machen würde, weil der Sachverhalt komplex ist, können wir jedenfalls für unsere Initiative bestätigen, dass die uns vorliegenden Unterschriften nur durch Erwachsene gesammelt wurden. Auch fragen wir ab, dass die Unterzeichner volljährig sind.

Seefelder Alleingang

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 4.5.2017:

RPV-Geschäftsführer [Regionaler Planungsverband München, Anm. d. Red.] Christian Breu bestätigt, dass er mit Bürgermeister Gum über den Standort im Aubachtal gesprochen habe. Eine Zusage über die Herausnahme aus dem regionalen Grünzug habe er nicht gemacht. „Das kann ich ja gar nicht, das ist Sache des Planungsausschusses.“ In der Sitzungsvorlage der Verwaltung für die Seefelder Gemeinderäte heißt es aber: „Nach Aussage von Herrn Breu wäre die Herausnahme aufgrund des gemeinnützigen Zwecks . . . durchaus denkbar und würde vom Regionalen Planungsverband voraussichtlich auch positiv beurteilt.“ Die Sitzung des Planungsausschusses finde am 11. Juli statt, sagte Breu. Bis „spätestens Ende Mai“ müssten die Anträge der Kommunen beim RPV eingegangen sein. Ob der Antrag Seefelds genehmigt werde, hänge auch von der Höhe und Größe einer geplanten Klinik ab. Die „grundsätzlichen Funktionen der Grünzüge“ sollen auf jeden Fall erhalten werden.

Seltsam, welche Widersprüche hier zu Tage treten. Auch bei der Frist „spätestens Ende Mai“ vs. „15.05.2017“ wie von der Gemeinde behauptet, fragt man sich: Ja was denn nun? Offenbar wurden in der Beschlussvorlage der Gemeinderatssitzung bewusst oder unbewusst falsche Tatsachen behauptet. – Reine Schlampigkeit oder steckt mehr dahinter?

Neubau notfalls mitten im Maisfeld

Hanna von Prittwitz, Starnberger Merkur, 4.5.2017:

„Ich als Bürgermeister muss alles tun, um den Standort für die Klinik sicherzustellen“, sagte Gum. Bei der diskutierten Fläche gehe es nicht um ein Naturschutzgebiet, „sondern ein intensiv genutztes Maisfeld“.

Die Bezeichnung „in einem Maisfeld“ verharmlost die Bedeutung der Fläche für den regionalen Grünzug. Der Grünzug ist an dieser Stelle ohnehin schon sehr schmal. Normalerweise wird eine Breite von mindestens 1000 m gefordert. Dieser Abstand würde nach einer Herausnahme unterschritten. Außerdem weisen wir darauf hin, dass die Fläche von beiden Seiten durch FFH-Gebiete (um die beiden Eichenalleen) flankiert wird. Die verkehrstechnische Erschließung würde zwingend diese FFH-Gebiete durchschneiden und damit verschlechtern. Die Bürgerinnen und Bürger von Seefeld schätzen das Aubachtal mit der wunderschönen Eichenallee sehr. Benefizkonzerte, Feste, Patenschaften und unzählige Engagements für ihren Schutz bewegen die Menschen, sowohl die Jungen und als auch die Alten.

Das Argument, es handele sich um einen Grünzug, der aus München hinaus reiche und für frische Luft sorge „ist hinfällig, weil ein Luftaustausch wegen der Gewerbegebiete ohnehin nicht mehr stattfindet“.

Diese Kopf-in-den-Sand-Haltung Gums – anders gesagt Vogel-Strauß-Politik – können wir überhaupt nicht nachvollziehen. Gerade weil der Luftaustausch immer schwieriger wird, darf nicht die letzte Frischluft-Achse auch noch zugebaut werden!

Proteste gegen neue Klinikpläne

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 3.5.2017:

Diese Entscheidung hat schon im Vorfeld der Sitzung viele Seefelder aufgescheucht. Eine Online-Petition wurde gestartet, die Organisatoren standen am Dienstag mit Plakaten vor dem Rathaus im Technologiepark. „Dem Kiebitz und dem Biber ist der Neubau echt zuwider“, stand auf einem der Transparente. Ortwin Gentz, der Sprecher der Bürgerinitiative, hoffte noch, dass der Gemeinderat sich nicht vorschnell festlege und die Entscheidung vertage. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.

Das wollten einige Gemeinderäte, allen voran Robert Benoist (Grüne) nicht glauben. „Diese Vorgehensweise ist unzumutbar“, schimpfte er in der immer hitziger werdenden Debatte. „Wir fangen an, das Aubachtal zuzubauen.“ Das befürchten auch viele Seefelder. Die Online-Petition hatte am Mittwoch 239 Unterzeichner, auf Papier gebe es bereits mehr als 60 Unterzeichner, sagte Gentz. Er und seine Mitstreiter wehren sich gegen die Bebauung des regionalen Grünzugs, gegen die Versiegelung einer riesigen Fläche und eine „absehbare Folgebebauung“. Die Klinik „ist nicht unser Gegner“. Er hätte sich mehr Rückgrat erhofft vom Gremium. Aber: „Wir machen weiter und werden noch mehr Bürger mobilisieren.“

Neubaupläne sorgen für helle Aufregung

Hanna von Prittwitz, Starnberger Merkur, 1.5.2017:

Die Veröffentlichung der Tagesordnung vergangene Woche hat bei den Bürgern für Aufregung gesorgt. Ortwin Gentz, 44-jähriger Informatiker aus Hechendorf, hat eine Unterschriftenkampagne initiiert. „Einer muss ja mit seinem Namen dafür stehen, aber unsere Bedenken werden von der Bürgerschaft getragen“, sagte er gestern. Die Kritiker des Neubaus sprechen sich gegen die Bebauung des Grünzugs, die Versiegelung der Flächen und für den Erhalt der Eichenallee an dieser Stelle aus. Sie fordern eine eingehende Prüfung der Wirtschaftlichkeit eines Krankenhausneubaus und eine bessere Planungsbeteiligung. Ildiko Gaal-Baier, Mitglied der Agenda Ortsbild/Ortsentwicklung, sieht sich vor allem als Fürsprecherin der Eichenallee. Ein Krankenhausneubau ist für sie an dieser Stelle „ein trojanisches Pferd“. Die Gemeinde brauche Flächen für Gewerbe, der Neubau sei auch ein Vorwand in Zeiten knapper Kassen. „Das wird ein Zweckbau mit Hubschrauberlandeplatz“, an den sich über kurz oder lang Gewerbeflächen anschließen würden.