Kritik an Seefelder Bürgermeister

Bürgerinitiative wirft Wolfram Gum „Horrorszenario“ in Sachen Klinik-Neubau vor

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 16.11.2018:

Was die BI vor allem enttäusche, sei, dass die Kommune der Starnberger Klinikholding das gemeindeeigene Grundstück neben der Klinik nur für die Baustelleneinrichtung angeboten habe, nicht für den Bau selbst. Dann müsste, so Gentz, der Neubau nicht so nah an den Altbau rücken. Das mehr als 140 Jahre alte, ortsbildprägende Gebäude könnte so gerettet werden. „Die Seefelder identifizieren sich damit“, sagt Gentz.

Bevor der Bauantrag für den Klinikneubau eingereicht wird, müsse auf alle Fälle die breite Öffentlichkeit informiert werden, fordert Ortwin Gentz. Dazu sei Gum offensichtlich bereit, wie ein Gespräch am Montag im Rathaus ergeben habe.

„Ich wundere mich über gar nichts mehr“

Hanna von Prittwitz, Starnberger Merkur, 14.11.2018 (Artikel online leider nicht öffentlich verfügbar):

Wie [Klinik-Geschäftsführer] Weiler die Lage einschätzt, dazu wollte er sich gestern gegenüber dem Starnberger Merkur nicht genauer äußern, nur so viel: „Ich wundere mich langsam über gar nichts mehr.“

Die Pläne für die Erweiterung liegen im Ministerium zur Prüfung. „Wir warten auf eine Entscheidung“, sagte Weiler. Die Regierung von Oberbayern verfolge die Diskussionen in Seefeld. „Die studieren die Presse schon sehr genau.“

Grundsätzlich gelte für die Baustelle: „Wer zahlt, schafft an.“

Es geht um Steuergelder und um öffentliche Daseinsvorsorge. Der Satz „Wer zahlt, schafft an“ von Herrn Dr. Weiler sollte daher zu Ende gedacht werden. Faktisch zahlen wir alle das Krankenhaus mit unseren Steuergeldern und Krankenkassenbeiträgen und nicht das Ministerium. „Bürgerinnen und Bürger zahlen und schaffen an“, wäre aus unserer Sicht treffender.

Die Bürgerinnen und Bürger vor Ort sollten in die Planung einbezogen werden, damit möglichst alle Interessen und Bedürfnisse des Ortes berücksichtigt werden. Das Interesse der Seefelder an ihrem Ortsbild, an der Ortsentwicklung und auch an einer möglichst reibungslosen Bauphase sollte einen Raum bekommen, um Widerstände und Ärger abzubauen.

Er glaube, dass die Diskussion dem Prozess eher schade. „Wasch mich, aber mach mich nicht nass – das kann nicht funktionieren“, sagte er mit Blick auf einen Neubau in der Ortsmitte. „Dort entsteht kein Einfamilienhaus.“

Dem können wir nur zustimmen. Wir können nur mutmaßen, dass Gums verfrühte Panikmache auch in den Augen des Klinikchefs nicht gerade zielführend ist. In unseren Augen wäre es klüger gewesen, zunächst die Veröffentlichung der Pläne abzuwarten, um dann fundiert und informiert darüber zu diskutieren.

Bürgermeister schürt Ängste

Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung, 15.11.2018

Bürgermeister Wolfram Gum gibt keine Ruhe. Auf den Bürgerversammlungen in Seefeld und Hechendorf schürt er mit Horrorvisionen Angst und Unmut gegen den Klinikneubau im Ortskern und gegen die Bürgerinitiative Eichenallee, die nach seinen Worten das so entschieden hat. Ich halte das für eine dreiste Lüge, denn der Regionale Planungsverband hat die Zerstörung des überregional wichtigen Grünzugs verhindert, worauf der Gemeinderat einstimmig seinen Antrag zurück nahm und der Planung im Ortskern grünes Licht gab.

Nur mal als Kontrastmittel: in Weilheim heißt es zum 50-Millionen-Umbau (drei Jahre Bauzeit) des Krankenhauses, „dessen großer Vorzug ist, dass es mitten in der Stadt liegt“, (SZ-Sonderbeilage vom 10. November). Das Projekt hat dort niemanden zu Panikattacken inspiriert. Auch Gum weiß, dass auch bei einer Umsiedlung der Klinik in der Ortsmitte umfangreiche Bauaktivitäten stattfänden, denn die wertvollen Flächen bleiben nicht als leere Wiesen zurück.

Wozu also die Panikmache? Gums Worte klingen stark nach einem Aufruf zum Start einer Bürgerinitiative gegen den Klinikbau im Ort: „Wenn einer hier sagt, ich will das nicht, dann unterstütze ich ihn. Aber ich selbst mache das nicht.“ Ein Appell an Wutbürger in abgefeimter Populistenmanier. Gum hätte die Bürgerversammlungen als Auftakt zur versprochenen Bürgerbeteiligung an einer transparenten und sachlichen Ortsplanung nutzen können. Stattdessen hackt er weiter mit Unwahrheiten auf die Bürgerinitiative ein. Das war der Auftakt zum Kommunalwahlkampf 2020 im Rahmen der Bürgerversammlung.

Helmut Ronstedt, Seefeld
[Anmerkung: Herr Ronstedt ist Mitglied unseres Initiativ-Teams.]

Klinik-Neubau: Bürgerinitiative wirft Bürgermeister Stimmungsmache vor

Hanna von Prittwitz, Starnberger Merkur, 14.11.2018

Gum geht davon aus, dass der jetzige Bestand komplett abgerissen werden wird. Er hatte auch durchklingen lassen, dass er die Gegner eines Neubaus an der Eichenallee für das zu erwartende Chaos in Seefeld verantwortlich macht – er hält den Standort in der Ortsmitte für den schlechtesten.

Gum äußerte sich gestern verwundert über das Vorgehen der BI. „Wir hatten uns auf Stillschweigen verständigt, bis wir die konkreten Pläne kennen. Dann wollten wir uns zusammensetzen.“ Auch die Gemeinde habe stets den Erhalt der Gebäude gewünscht. „Aber wir sind an der Planung in keiner Weise beteiligt.“ Das Grundstück neben der Klinik habe man den Verantwortlichen für die Planung längst überlassen, „es wird einbezogen und auch gebraucht“.

Zur Klarstellung: da Herr Gum die BI für das zu erwartende Chaos in Seefeld verantwortlich macht, sehen wir es als absolut legitim, diese verzerrte Wahrnehmung richtigzustellen. Im Gespräch mit Herrn Gum haben wir natürlich die Erwartung geäußert, gespannt auf die tatsächlichen Pläne zu sein und bei deren Vorliegen dann gern in eine konstruktive Diskussion einzutreten. Das Anlegen eines Maulkorbs stand aber überhaupt nicht zur Diskussion.

Die Aussage, man habe den Verantwortlichen das Grundstück für die Planung längst überlassen, bezieht sich nach unserem Verständnis nur auf die temporäre Inanspruchnahme während der Bauphase, nicht aber als Baugrund für neue Klinik-Bauten. Wir lassen uns gern eines Besseren belehren, aber wie ist ansonsten zu erklären, dass Herr Gum die Fläche für einen etwaigen Rathausneubau behalten möchte?

Trotz Abrissplänen: Neue Chancen für das alte Krankenhaus?

Auf der Bürgerversammlung der Gemeinde wurden die Vertreter der Bürgerinitiative Eichenallee von Neuigkeiten zum Thema Krankenhaus überrascht. Im hinteren Teil des Klinik-Grundstücks soll ein Neubau errichtet werden. Anschließend sieht die Planung den Abriss des kompletten Bestandsbaus der Klinik vor. Dort soll dann eine Tiefgarage und darüber ein Besucherparkplatz entstehen.

Bürgermeister Gum entwarf ein wahres Horrorszenario für die Bauphase, in der die Bürger mit „Lärm und Dreck von tausenden LKWs“ belästigt würden. Er versucht damit offensichtlich, der BI den schwarzen Peter für sämtliche kommenden Belastungen der Bürger zuzuschieben. Im Interesse eines friedlichen Ortsklimas hätten wir uns gewünscht, stattdessen bei den Bürgern um Verständnis für die zeitlich begrenzten Bauarbeiten zu werben und die Vorzüge eines modernen Krankenhauses im Ort hervorzuheben.

Zu einem erfolgreichen Ortsentwicklungskonzept mit Bürgerbeteiligung gehört eine unvoreingenommene, ergebnisoffene Diskussion. Wir bedauern, dass der Bürgermeister mit seinem Vorpreschen ohne konkrete Pläne damit einen Schatten auf den kommenden Bürgerbeteiligungsprozess wirft.

Auch in einem Gespräch mit Vertretern der BI machte Gum deutlich, dass er nach wie vor den Standort an der Eichenallee favorisiert.

Wir fragen uns: Möchte Herr Gum nach der Ablehnung des Standorts an der Eichenallee durch den regionalen Planungsverband erneut eine Absage kassieren? Ganz zu schweigen von einer jahrelangen gerichtlichen Klärung naturschutzfachlicher Einwände. Auch die Klage der BI gegen die Nichtzulassung des Bürgerbegehrens vom Sommer letzten Jahres ist nach wie vor anhängig.

Fakt ist: Selbst wenn die Klinik nicht in der Ortsmitte bleiben sollte, wird das Grundstück in absehbarer Zeit anderweitig gewerblich bebaut. Das bestätigte uns Bürgermeister Gum im persönlichen Gespräch. Belästigungen aufgrund der Bauarbeiten in der Ortsmitte lassen sich somit ohnehin nicht verhindern.

Die BI spricht sich aus

  • für eine transparente Planung und Ideensammlung mit breiter Bürgerbeteiligung,
  • für eine kreativere Herangehensweise bei der Planung unter Einbeziehung des neben der Klinik befindlichen Gemeindegrundstücks,
  • für den Erhalt des Bestandsgebäudes wenn irgend möglich. Zum Beispiel könnte dort ein Wohngebäude für das Pflegepersonal entstehen. Auch eine Nutzung als künftiges Rathaus könnte man in Betracht ziehen.

„Warum wird das Gemeindegrundstück nicht für Zwecke der Klinik eingesetzt?“, fragt sich Ortwin Gentz. „Dies würde völlig neue Möglichkeiten eröffnen und die Chance zum Erhalt des historischen Gebäudes von 1874 bieten. Das Rathaus könnte in das markante Gebäude in zentraler Lage einziehen – angesichts knapper Kassen sicher eine ökonomische Lösung!“