Gum befürwortet Bürgerentscheid

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 31.5.2017:

Der alte Standort werde gerade untersucht, ließ Schneider wissen, der die Sitzung leitete. Mehr könne er jetzt nicht dazu sagen. Constanze Gentz hakte nach und fragte: Wenn aber der bisherige Standort an der Hauptstraße geeignet sei, werde der Beschluss pro Aubachtal dann revidiert? Antwort Schneider: „So weit sind wir noch nicht, daran wollen wir nicht denken.“ Gum hat laut Gentz in einer E-Mail an die BI geschrieben, die Gemeinde könne die Fläche „gerne wieder einbringen“ in den regionalen Grünzug, sollte sie nicht gebraucht werden. Die Gemeinderäte wollten sich am Dienstag dazu nicht äußern.

Es sieht ganz danach aus, dass mit der Herausnahme aus dem Grünzug eine langfristige Agenda verfolgt wird, um die Fläche an der Eichenallee generell zu bebauen – egal ob die Klinik nun dort hinkommt oder nicht.

Auch die Frage nach einem eventuellen Ratsbegehren zu einem Klinikneubau im Aubachtal blieb unbeantwortet. „Eine konkrete Antwort darauf können Sie heute nicht erwarten“, sagte Josef Wastian. Von Gum gibt es aber eine Aussage dazu: In besagter Mail an die BI schrieb der Bürgermeister, er würde einen Bürgerentscheid befürworten, „weil die Frage der Klinik alle Bewohner unserer Gemeinde angeht“.

Wir sind gespannt, ob der Bürgermeister Wort hält. Mit der Durchführung eines Ratsbegehren könnte die Gemeinde ein klares Signal senden, dass der Bürgerwille ihr nicht egal ist. Wir werden die Worte der Gemeindevertreter an ihren Taten messen.

Bürgerfragestunde fast ohne Antworten

In der heutigen Bürgerfragestunde haben wir die Mappe mit 730 Unterschriften an den 2. Bürgermeister Josef Schneider mit einem Anschreiben an Herrn Gum übergeben. Fotografen der Süddeutschen Zeitung und des Starnberger Merkurs haben die Übergabe dokumentiert. Eine Kopie der Unterschriftenmappe haben wir Herrn Landrat Karl Roth und Herrn Christian Breu (Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbandes) per Post zugesandt.

In der Bürgerfragestunde, die in Wirklichkeit eine Bürgerfrageviertelstunde ist, haben wir den Gemeinderäten die nachfolgenden Fragen gestellt. Leider konnten sie großteils nicht oder nicht ausreichend beantwortet werden. Wir werden daher den Gemeinderäten die Fragen schriftlich zukommen lassen und die Antworten hier veröffentlichen.

  1. Im Starnberger Merkur vom 9. Mai wird Herr Gum zitiert: „Doch Bürgermeister Gum mag offensichtlich an diese Lösung nicht so recht glauben. Er kennt das Areal, weiß um den steilen und den feuchten Untergrund. Und die Nachbarn wären wohl alles andere als entzückt über eine jahrelange Baustelle, die laut und dreckig ist.“ Unsere Frage dazu: Warum wird bereits jetzt in dieser Art und Weise gegen den Standort Ortsmitte argumentiert? Meinen Sie es wirklich ernst mit der Favorisierung des Standorts Ortsmitte? Und warum wird der feuchte Untergrund problematisiert, wo doch die Fläche an der Eichenallee der reinste Sumpf dagegen ist?

    Eine Stimme aus dem Gemeinderat dazu: „Glauben Sie nicht alles, was in der Presse steht.“

  2. Herr Gum hat uns in einem E-Mail geschrieben: „Sollte sich im Herbst zeigen, dass wir die Herausnahme [aus dem Grünzug] gar nicht benötigen, kann die Gemeinde die Fläche gerne wieder einbringen.“ Unsere Frage dazu: Wie steht der Gemeinderat zu dieser Aussage und wird es einen solchen Beschluss geben?

  3. Von Zeitzeugen aus der Ära des früheren Bürgermeister Gassner wurde uns zugetragen, dass das Frei-Grundstück neben dem Krankenhaus in der Ortsmitte damals der Gemeinde unter einer Zweckbindung übertragen wurde, nämlich dass es nur für eine Erweiterung der Klinik verwendet werden darf. Meine Frage dazu: Ist Ihnen diese Zweckbindung bekannt?

    Herr Schneider bestätigte, davon Kenntnis zu haben.

  4. In einem E-Mail an uns äußerte sich Gum: „Einen Bürgerentscheid würde ich aber sowieso befürworten, weil die Frage der Klinik alle Bewohner unserer Gemeinde angeht.“ Unsere Frage dazu: Wird der Gemeinderat sich dafür aussprechen, selbst aktiv ein Ratsbegehren einzubringen, um einen direkten Bürgerentscheid zu initiieren? Das würde viel Zeit sparen, weil kein Bürgerbegehren vorher nötig ist.

Wir sind gespannt auf die Antworten der Gemeinderäte und halten Euch auf dem Laufenden!

Deckblatt Unterschriftenmappe

Einladung zur Unterschriftenübergabe

Vielen Dank für Eure großartige Unterstützung! Stand heute haben wir 168 Unterschriften auf Papier und 541 Unterzeichner der Online-Petition, die sich gegen ein Krankenhaus an der Eichenallee aussprechen. Damit haben wir die Marke von 700 Unterstützern überschritten!

Die Übergabe der Unterschriftensammlung und der Online-Petition an Herrn Gum findet an diesem Dienstag, 30. Mai, um 19 Uhr in der Bürgerfragestunde im Rathaus Seefeld im Technologiepark statt. Dazu laden wir Euch alle herzlich ein! Durch unser zahlreiches Erscheinen können wir ein starkes Zeichen gegen Naturzerstörung und für transparente Bürgerbeteiligung setzen! In der Bürgerfragestunde können auch eigene Fragen und Wünsche vorgetragen werden. Diese Chance zur Bürgerbeteiligung sollten wir nutzen!

Für den Fall, dass die Gemeinde Seefeld die zerstörerische Raumplanung nicht zurücknimmt, arbeiten wir an der Vorbereitung eines Bürgerbegehrens. Um direkt informiert zu werden, könnt Ihr Euch auf der Startseite in unseren E-Mail-Verteiler eintragen. Bürgerinnen und Bürger aus Seefeld, Hechendorf, Meiling, Unering und Drößling, die das Bürgerbegehren aktiv begleiten wollen, können sich gern bei uns melden.

Außerdem haben wir eine neue Domain für diese Internet-Seite geschaltet. initiative-eichenallee.de passt aus unserer Sicht besser zur Thematik.

Wir freuen uns, die Unterstützer der Initiative bei der Bürgerfragestunde in der Gemeinderatssitzung am Dienstag zu treffen!

Plakat-Demo vor dem Seefelder Rathaus am 2.5.2017

Widerstand gegen Aubachtal-Pläne

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 26.5.2017:

Der Plan, im Aubachtal in unmittelbarer Nähe zur geschützten Eichenallee, eine neue Klinik zu errichten, beschäftigt viele Menschen. Innerhalb von vier Wochen hat die „Bürgerinitiative Eichenallee“ (BI) für eine Online-Petition 534 und auf Papier noch einmal 126 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Diese Listen werden zu Beginn der kommenden Gemeinderatssitzung am Dienstag, 30. Mai, 19 Uhr, an Bürgermeister Wolfram Gum übergeben.

Wir laden alle Seefelder Bürger ein, am kommenden Dienstag um 19 Uhr dabei zu sein bei der Bürgerfragestunde und Übergabe der Unterschriften. Durch unser zahlreiches Erscheinen können wir ein starkes Zeichen gegen Naturzerstörung und für transparente Bürgerbeteiligung setzen!

Gum: „Ich habe die Schnauze voll“

Michéle Kirner, Starnberger Merkur, 25.5.2017:

Besonders verärgert ihn „die starke Macht der Verhinderer, die Gerüchte und Lügen in die Welt setzen“. Damit zielt er auf die Generalsanierung oder den Neubau der Klinik Seefeld ab.

Diese Bürgerinitiative bemüht sich, die Fakten über die Pläne der Gemeinde transparent auf den Tisch zu legen. Ohne die Initiative hätten die Bürger so gut wie gar nichts davon erfahren. Andererseits ist es auch nicht verwunderlich, dass die Seefelder weiter denken und sich eigene Gedanken über die Zukunft ihres Ortes machen.

Dafür stellte die Verwaltung jüngst den Antrag, die betreffende Grünfläche aus dem Regionalplan herauszunehmen. „Viel Sturm im Wasserglas“ habe dieser Antrag verursacht – und man habe Gerüchte in die Welt gesetzt. Wie etwa, dass dafür Eichen gefällt werden müssten. „Keine einzige Eiche würde gefällt“, regt sich Gum darüber auf.

Im Namen der vielen besorgten Bürgerinnen und Bürger wehren wir uns dagegen, den Aufschrei als „Sturm im Wasserglas“ abzutun.

Die Initiative hat nie behauptet, dass Eichen gefällt werden müssten. Die Eichenalleen und das durch das Aubachtal geprägte Ortsbild von Seefeld würden aber durch den massiven Bau erheblich beeinträchtigt werden. Das kann sich jeder, der sich das Gebiet mit offenen Augen anschaut, sehr gut vorstellen.

Beim Zubetonieren nicht tatenlos zusehen

Leserbrief im Starnberger Merkur, 20. Mai

Zum Beitrag „Darum geht es bei der Klinik Seefeld“ vom 13./14. Mai:

Im Grabe von Graf Anton Clemens zu Toerring, dem Begründer der Eichenallee, war ein lautes Rumoren zu hören als der Gemeinderat Seefelds den Antrag stellte, einem 25.000 Quadratmeter großen Verbundstück zwischen zwei Flora- und Fauna-Habitaten den Schutz zu entziehen.
Rund 250 Jahre ruhten Graf und das Aubachtal in Frieden. Damit soll nach Bürgermeister Gums ehrgeizigen Plänen jetzt Schluss sein. Auf Teufel komm raus legte er dem Gemeinderat ohne vorhergehende Beratung, aber mit „alternativen Fakten“ garniert, die für Termindruck sorgten, seinen Antrag auf Herausnahme aus dem Grüngürtel des Regionalen Rahmenplans vor. Und seine willfährigen Mannen von der CSU, Freien Wählern, FDP und BVS stimmten zu.
Der Starnberger Merkur vom Wochenende fragt nun: „Um was geht es wirklich bei der Seefelder Klinik?“ Die tiefergehende Antwort bleibt er allerdings schuldig. Denn in erster Linie geht es gar nicht um die Klinik. Die bleibt wo sie ist, kann dort renoviert und erweitert werden. Es geht um ein neues Gewerbegebiet im Aubachtal, es geht um die Zerstörung einer historischen Kulturlandschaft.
Die Bürger Seefelds müssen sich jetzt die Frage stellen lassen: Schauen wir tatenlos zu, wie Gum und Konsorten das Aubachtal zubetonieren?

Ortwin Gentz, Hechendorf
[Anmerkung: Herr Gentz ist Mitglied unseres Initiativ-Teams.]

Gemeinsam für den Kiebitz

Andrea Gräpel, Starnberger Merkur, 19.5.2017:

Der Kiebitz hat sich im Aubachtal niedergelassen – ausgerechnet auf einem Maisfeld. Der Bauer konnte mit der Aussaat nicht länger warten. In einer beispielhaften Aktion haben Naturschützer und Landwirt das Feld bestellt, ohne dem Kiebitz zu schaden, dessen Art vom Aussterben bedroht ist.

Update: Das Bayerische Fernsehen hat in der Sendung „Schwaben & Altbayern“ über die Kiebitze im Aubachtal berichtet. Der Beitrag steht in der BR-Mediathek zum Ansehen bereit:

Der Kiebitz-Acker

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 18.5.2017:

„Kie-witt! Kie-witt! Kie-witt!“ Aufgeregt fliegen fünf Kiebitze über dem Feld unterhalb des Hechendorfer Bahnhofs. Ist ja auch einiges los an diesem Donnerstagvormittag. Zeitungsjournalisten und Fotografen sind da, das Bayerische Fernsehen filmt, Vertreter des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) haben Spektive aufgestellt, und auch Seefelds Dritter Bürgermeister Oswald Gasser ist gekommen. Es ist ein seltenes Schauspiel, das ihnen geboten wird, eigentlich ein einmaliges, denn dass auf dem Acker fünf Kiebitzpaare jeweils vier Eier ausbrüten, „ist eine absolute Sensation im Landkreis Starnberg“, sagt LBV-Vorsitzender Horst Guckelsberger.

Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Jahr so einen tollen Bruterfolg im Aubachtal beobachten können. Aus unserer Sicht ein weiteres Puzzlestück, das für die Erhaltung des Aubachtals in seiner jetzigen Form spricht!

Das Bayerische Fernsehen wird in seiner Sendung „Schwaben & Altbayern“ am Sonntag, 28.5.2017, ab 17:45 über die Kiebitze im Aubachtal berichten.

Volkes Stimme

Thomas Anlauf, Süddeutsche Zeitung, 17.5.2017:

Zum ersten Mal entwerfen Bürger in Deutschland ein Gutachten für die Entwicklung einer ganzen Region.

Wichtig war den Teilnehmern, dass die verbliebenen Grünflächen in München und der Region erhalten bleiben und nicht bebaut werden. Sie fordern deshalb eine größere Rolle für den Naturschutz in der Regionalentwicklung.

Das Ergebnis des Laien-Gremiums, das in vier Gruppen jeweils vier Tage lang Visionen und Empfehlungen für den Großraum München entwickelt hat, ist imposant: Auf 104 Seiten haben die Teilnehmer des Bürgergutachtens klare Aussagen dazu getroffen, wie die Region auf die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte reagieren soll.

Karl Roth, Vorsitzender des Planungsverbands und Starnberger Landrat, versprach bei der Präsentation am Dienstagabend, sich dafür einzusetzen, „dass Ihre Vorschläge nicht verpuffen, sondern in die Fortschreibung des Regionalplans einfließen und in regionalen Diskussionen Gehör finden“.

Das Bürgergutachten zur Entwicklung der Region München macht deutlich, dass wir nicht allein sind mit unserer Forderung, die regionalen Grünzüge zu erhalten (siehe Seite 59 ff).

Gut, dass auch Landrat Roth sich die Vorschläge des 94-köpfigen Gremiums aus zufällig ausgewählten Menschen aus München und der Region zueigen macht.

Unsere Kronjuwelen in Seefeld: die Eichenallee und das Aubachtal

Der Film zeigt das Aubachtal aus der Vogelperspektive – darunter auch die zur Diskussion stehende Fläche an der Eichenallee gegenüber vom Technologiepark Seefeld.

Danke an Peter Meuser für das Video!

Gum: Am Ende entscheiden die Bürger

Peter Schiebel und Hanna von Prittwitz, Starnberger Merkur, 10.5.2017:

„Der Platz wäre nicht schlecht”, sagte Landrat Roth am Dienstag – und stellte klar: „Die Eichenallee ist ein Pfund Natur, mit dem wir wuchern können.” Sollte das Gelände dort tatsächlich zum Klinikstandort werden, dann müsse alles dafür getan werden, die Bäume zu erhalten. „Wir können nicht direkt ans Wurzelwerk etwas hinbauen.”

Noch mal zur Klarstellung: Es geht uns nicht nur um das Wurzelwerk der Eichen, sondern um das gesamte regionale und überörtliche Biotopsystem. Dieses wird durch das jetzige Planungsrecht geschützt. Ein neues Krankenhaus (aber jede Bebauung) dort bedeutet eine deutliche Zunahme des Verkehrs, des Lärms, der Luft- und auch Lichtverschmutzung. Das gesamte Biotopsystem würde vernichtet werden.

So oder so: „Am Ende wird der Bürger über ein Krankenhaus in Seefeld entscheiden”, sagt Gum mit Blick auf ein mögliches Bürgerbegehren. „Das wäre mir auch am allerliebsten, wenn alle Bürger der Gemeinde sagen, was sie wollen.” Er habe als Bürgermeister alles gemacht, was zu machen sei. „Ich bin nicht mehr Herr des Verfahrens.”

Über 500 Bürger haben sich bereits gegen einen Krankenhaus-Neubau an der Eichenallee ausgesprochen. Was wollen Sie noch, Herr Gum?

Die Marke von 500 Unterstützern ist geknackt

Mit über 70 Unterschriften auf Papier und über 430 Unterstützern der Online-Petition kommen wir jetzt auf über 500 Bürger, die sich gegen ein Krankenhaus an der Eichenallee aussprechen. Es wird damit deutlich, dass sich eine große Zahl von Bürgern für den bestehenden Standort in der Seefelder Ortsmitte und gegen eine Zubetonierung des Aubachtals und Verschandelung der Eichenallee einsetzt. – Ein enormer Zuspruch, der uns Motivation für das weitere Vorgehen gibt!

Bürgermeister stehen zur Klinik

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 11.5.2017:

Das Ziel der Gemeinde ist es, den Standort unserer erstklassigen Klinik in Seefeld zu halten.

Dem können wir uns nur anschließen. Es gibt dafür einen ausgezeichneten Standort in der Seefelder Ortsmitte.

Nur für den Fall, dass der Ausbau dort doch nicht realisiert werden könne und um größere Verzögerungen zu vermeiden, bemühe sich die Gemeinde um einen alternativen Standort.

Entgegen der Beteuerungen der Bürgermeister sehen wir in der Forcierung eines Alternativstandorts eine Vorfestlegung genau auf diesen Standort. Außerdem befürchten wir eine Vergiftung der Debatte. Wenn schon bei kleinsten Problemen am Standort Ortsmitte, die es zweifelsohne geben wird, ständig das Damoklesschwert „Neubau Eichenallee“ über allen schwebt, ist eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich.

Großangriff aufs Aubachtal

Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung, 10. Mai 2017

Zu den Beiträgen „Proteste gegen neue Klinikpläne“ vom 4. Mai und „Seefelder Alleingang“ (5. Mai):

Großangriff aufs Aubachtal: Was ist das Besondere, das Kostbarste, das wir Bürger des 5-Seenlandes so schätzen und weshalb wir unsere Heimat so lieben? Ja, es ist die historisch gewachsene Landschaft, Seen und Wälder, Hügel und Wiesen, in dessen die alten Ortskerne eingebettet sind. Eine der größten kulturellen und politischen Leistungen unserer demokratischen Gesellschaft ist die regionale Raumordnung. Es ist aber auch die größte andauernde Mühsal, den Kampf der ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen um das knappe Gut Raum gerecht und objektiv zum allgemeinen Wohle zu lenken und zu befrieden.

Dieser wichtigen Aufgabe wurde Bürgermeister Gum in der jüngsten Sitzung des Seefelder Bauausschuss nicht gerecht. Im Gegenteil: er führte seine CSU-Fraktion in einen Großangriff aufs Aubachtal. Sachlich völlig unbegründet forderte er, 40 000 Quadratmeter aus dem Landschaftsschutz heraus zu nehmen, für einen Ersatzbau des Seefelder Krankenhauses, obwohl neben diesem das große Grundstück, für den von ihm gewünschten und von den Bürgern abgelehnten Rathausneubau, frei steht. Da lassen sich leicht 30 bis 50 zusätzliche Betten für eine „up-to-date“-Klinik ausbauen. Und obwohl der Klinik-Geschäftsführer Thomas Weiler ganz klar den Ausbau des bestehenden Standortes vorzieht und nicht mal der Landrat Karl Roth in die Pläne eingeweiht war.

Gums Attacke hat ein klares Ziel: ein neues, drittes Gewerbegebiet soll hier erschlossen werden. Bürger wehrt euch, helft diesen Anschlag zu verhindern.

Helmut und Elke Ronstedt, Seefeld
[Anmerkung: Herr Ronstedt ist Mitglied unseres Initiativ-Teams.]

Debatte um Klinikneubau geht weiter

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 9.5.2017:

Doch Bürgermeister Gum mag offensichtlich an diese Lösung nicht so recht glauben. Er kennt das Areal, weiß um den steilen und den feuchten Untergrund. Und die Nachbarn wären wohl alles andere als entzückt über eine jahrelange Baustelle, die laut und dreckig ist.

Interessant, dass Bürgermeister Gum bereits jetzt den eigentlich favorisierten Standort in der Ortsmitte schlecht macht. Herr Gum, so sieht Werbung für einen Standort nicht aus! Übrigens sahen Gemeinde und Bürgermeister bei der damaligen Planung des neuen Rathauses keine solchen Probleme.

Neubau zur Not in einer anderen Gemeinde?

Starnberger Merkur, 7.5.2017:

Im schlechtesten Fall könnte Seefeld die Klinik verlieren – für Bürgermeister Gum ein Horrorszenario.

Ein Horrorszenario vielleicht, aber auch ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Denn der Standort in der Seefelder Ortsmitte bietet locker genügend Platz für 30 zusätzliche Betten. Zur Erinnerung: Neben dem Krankenhaus befindet sich eine große Freifläche, die vor einiger Zeit einmal für ein neues Seefelder Rathaus im Gespräch war.

Ob es tatsächlich einen Neubau für die Klinik geben muss, ist offen – dringender Handlungsbedarf ist aber geboten. Weiler [Geschäftsführer des Klinikverbunds Starnberg, Penzberg, Seefeld]: „Die bauliche Situation ist mehr als desolat.“

Als Besucher des Krankenhaus, der in modernen und hellen Räumen begrüßt wird, kann man die angeblich so desolate bauliche Situation nicht nachvollziehen. Die Klinik selbst schreibt auf ihrer eigenen Website: „Eine umfassende Gesamtsanierung fand im Jahr 2000 statt, der letzte Umbau im Jahre 2013. Seither präsentiert sich die Chirurgische Klinik in einem modernen und freundlichen Erscheinungsbild mitten in der Gemeinde Seefeld.“

Als kritischer Leser kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die bauliche Situation der Klinik bewusst schlecht geredet wird mit dem Ziel, einen Neubau politisch durchzudrücken.

Gum war fassungslos, dass angeblich schon Unterschriftenlisten durch Kinder laufen sollen, wobei es um die Verhinderungen von Baumfällungen an der Allee geht.

Wir würden gern einen Beleg für diese Behauptung Herrn Gums sehen und welche Unterschriftenlisten das sein sollen. Schade, dass hier von Seiten des Merkur nicht genauer recherchiert wurde und solche Gerüchte ohne jegliche Prüfung in die Welt gesetzt wurden.

Die Bürgerinitiative Eichenallee weist die Spekulation zurück, wir würden Kinder für unser Anliegen einspannen. Abgesehen davon, dass dies überhaupt keinen Sinn machen würde, weil der Sachverhalt komplex ist, können wir jedenfalls für unsere Initiative bestätigen, dass die uns vorliegenden Unterschriften nur durch Erwachsene gesammelt wurden. Auch fragen wir ab, dass die Unterzeichner volljährig sind.

Seefelder Alleingang

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 4.5.2017:

RPV-Geschäftsführer [Regionaler Planungsverband München, Anm. d. Red.] Christian Breu bestätigt, dass er mit Bürgermeister Gum über den Standort im Aubachtal gesprochen habe. Eine Zusage über die Herausnahme aus dem regionalen Grünzug habe er nicht gemacht. „Das kann ich ja gar nicht, das ist Sache des Planungsausschusses.“ In der Sitzungsvorlage der Verwaltung für die Seefelder Gemeinderäte heißt es aber: „Nach Aussage von Herrn Breu wäre die Herausnahme aufgrund des gemeinnützigen Zwecks . . . durchaus denkbar und würde vom Regionalen Planungsverband voraussichtlich auch positiv beurteilt.“ Die Sitzung des Planungsausschusses finde am 11. Juli statt, sagte Breu. Bis „spätestens Ende Mai“ müssten die Anträge der Kommunen beim RPV eingegangen sein. Ob der Antrag Seefelds genehmigt werde, hänge auch von der Höhe und Größe einer geplanten Klinik ab. Die „grundsätzlichen Funktionen der Grünzüge“ sollen auf jeden Fall erhalten werden.

Seltsam, welche Widersprüche hier zu Tage treten. Auch bei der Frist „spätestens Ende Mai“ vs. „15.05.2017“ wie von der Gemeinde behauptet, fragt man sich: Ja was denn nun? Offenbar wurden in der Beschlussvorlage der Gemeinderatssitzung bewusst oder unbewusst falsche Tatsachen behauptet. – Reine Schlampigkeit oder steckt mehr dahinter?

Neubau notfalls mitten im Maisfeld

Hanna von Prittwitz, Starnberger Merkur, 4.5.2017:

„Ich als Bürgermeister muss alles tun, um den Standort für die Klinik sicherzustellen“, sagte Gum. Bei der diskutierten Fläche gehe es nicht um ein Naturschutzgebiet, „sondern ein intensiv genutztes Maisfeld“.

Die Bezeichnung „in einem Maisfeld“ verharmlost die Bedeutung der Fläche für den regionalen Grünzug. Der Grünzug ist an dieser Stelle ohnehin schon sehr schmal. Normalerweise wird eine Breite von mindestens 1000 m gefordert. Dieser Abstand würde nach einer Herausnahme unterschritten. Außerdem weisen wir darauf hin, dass die Fläche von beiden Seiten durch FFH-Gebiete (um die beiden Eichenalleen) flankiert wird. Die verkehrstechnische Erschließung würde zwingend diese FFH-Gebiete durchschneiden und damit verschlechtern. Die Bürgerinnen und Bürger von Seefeld schätzen das Aubachtal mit der wunderschönen Eichenallee sehr. Benefizkonzerte, Feste, Patenschaften und unzählige Engagements für ihren Schutz bewegen die Menschen, sowohl die Jungen und als auch die Alten.

Das Argument, es handele sich um einen Grünzug, der aus München hinaus reiche und für frische Luft sorge „ist hinfällig, weil ein Luftaustausch wegen der Gewerbegebiete ohnehin nicht mehr stattfindet“.

Diese Kopf-in-den-Sand-Haltung Gums – anders gesagt Vogel-Strauß-Politik – können wir überhaupt nicht nachvollziehen. Gerade weil der Luftaustausch immer schwieriger wird, darf nicht die letzte Frischluft-Achse auch noch zugebaut werden!

Proteste gegen neue Klinikpläne

Christine Setzwein, Süddeutsche Zeitung, 3.5.2017:

Diese Entscheidung hat schon im Vorfeld der Sitzung viele Seefelder aufgescheucht. Eine Online-Petition wurde gestartet, die Organisatoren standen am Dienstag mit Plakaten vor dem Rathaus im Technologiepark. „Dem Kiebitz und dem Biber ist der Neubau echt zuwider“, stand auf einem der Transparente. Ortwin Gentz, der Sprecher der Bürgerinitiative, hoffte noch, dass der Gemeinderat sich nicht vorschnell festlege und die Entscheidung vertage. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.

Das wollten einige Gemeinderäte, allen voran Robert Benoist (Grüne) nicht glauben. „Diese Vorgehensweise ist unzumutbar“, schimpfte er in der immer hitziger werdenden Debatte. „Wir fangen an, das Aubachtal zuzubauen.“ Das befürchten auch viele Seefelder. Die Online-Petition hatte am Mittwoch 239 Unterzeichner, auf Papier gebe es bereits mehr als 60 Unterzeichner, sagte Gentz. Er und seine Mitstreiter wehren sich gegen die Bebauung des regionalen Grünzugs, gegen die Versiegelung einer riesigen Fläche und eine „absehbare Folgebebauung“. Die Klinik „ist nicht unser Gegner“. Er hätte sich mehr Rückgrat erhofft vom Gremium. Aber: „Wir machen weiter und werden noch mehr Bürger mobilisieren.“

Neubaupläne sorgen für helle Aufregung

Hanna von Prittwitz, Starnberger Merkur, 1.5.2017:

Die Veröffentlichung der Tagesordnung vergangene Woche hat bei den Bürgern für Aufregung gesorgt. Ortwin Gentz, 44-jähriger Informatiker aus Hechendorf, hat eine Unterschriftenkampagne initiiert. „Einer muss ja mit seinem Namen dafür stehen, aber unsere Bedenken werden von der Bürgerschaft getragen“, sagte er gestern. Die Kritiker des Neubaus sprechen sich gegen die Bebauung des Grünzugs, die Versiegelung der Flächen und für den Erhalt der Eichenallee an dieser Stelle aus. Sie fordern eine eingehende Prüfung der Wirtschaftlichkeit eines Krankenhausneubaus und eine bessere Planungsbeteiligung. Ildiko Gaal-Baier, Mitglied der Agenda Ortsbild/Ortsentwicklung, sieht sich vor allem als Fürsprecherin der Eichenallee. Ein Krankenhausneubau ist für sie an dieser Stelle „ein trojanisches Pferd“. Die Gemeinde brauche Flächen für Gewerbe, der Neubau sei auch ein Vorwand in Zeiten knapper Kassen. „Das wird ein Zweckbau mit Hubschrauberlandeplatz“, an den sich über kurz oder lang Gewerbeflächen anschließen würden.